Die Nebellaterne

Der Wanderer

Einsam steht ein stiller Wanderer auf dem Weg hinab ins Tal.

 

In der Hand das Werkzeug das ihm stets zur Seite stand, blickt er nun hinab auf dieses Dorf, eine Ansammlung von kargen Hütten, dicht gedrängt um die alte Kirche die seit Jeher in der Mitte stand.

 

Dumme Menschen, unwürdige Geschöpfe, als ob das Kreuz euch schützen würd.

 

Nun macht er den Abstieg, in der Finsternis der Nacht, würdevoll mit langen Schritten unerkannt und ungesehen.

 

Eisig weht der Wind, zerrt an seinem Mantel, doch er spürt es kaum.

Oft schon ist er hier gewesen, seine Arbeit zu vollbringen, und doch war er steht’s ein ungebetener Gast.

 

Unwürdige Geschöpfe, dankbar sollten sie mir sein!

 

Nun hat er die ersten Hütten erreicht, blickt sich um und sucht die Rechte Tür.

 

Da die dritte links, von mir, die ja die muss es sein.

 

Schnelle Schritte zu der Pforte, klopfen wird er nicht, eintritt kann man ihm, dem einen, nicht verwähren.

 

Rein geht es in die gute Stube, warm und heimisch ist es hier, dort am Herd auf einem Schemel sitz die Mutter, wiegt das Kind, blickt nicht auf zu ihm dem Fremden der ihr ist doch so vertraut, letzten Winter war er hier, stand genau wie jetzt dort in der Tür, wollte nicht zu ihr.

 

Seine Schritte, nun gemächlich, tragen ihn durch den Raum, vorbei am Kater auf der Bank, dessen Blick kurz auf ihm ruht, durch die Tür ins Schlafzimmer wo sein Kunde schläft.

 

Auf dem Bett aus Stroh und Leinen liegt der alte Mann, atmet keuchend, hustet dann und wann, neben ihm auf einem Stuhl sitzt sein Sohn und hält die Hand, betet, hofft und bangt.

 

Gebete helfen nicht, wenn ich komme nehme ich. Still nun Junge lass mich machen, was mein Werk nur ist. Ewiglich wird man’s mir danken wenn die Last ich euch nun nehm.

 

Der Junge Mann am Bett antwortet nicht, so ist es immer, all die Menschen sehn ihn nicht. Nur der Alte der nun aufgewacht blickt erwartungsvoll in seine Richtung. „Endlich“ einzig dieses Wort kommt über seine spröden Lippen, fast zu leise für die Menschen.

 

Still nun geht der Fremde rasch ans Werk. Schwingt das Werkzeug, trennt die Fessel.

 

Gut, erledigt, nun komm mit mein Freund, begleite mich ein Stück, denn meine Arbeit hier ist für diese Nacht getan.

 

Zwei gestalten wandern durch die Nacht, den Weg den Hügel hinauf, einer groß in dunklem Gewand, der andere kleiner und gebeugt.

 

Einer wird bald wieder kommen so wie immer, ungebeten und doch nötig da nur so die Welt sich dreht.

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