Die Nebellaterne

Momentaufnahme

Seit nun fast 15 Jahren sprechen Sie schon nicht mehr miteinander.

15 Jahre, Kinder wie die Zeit vergeht.

 

Nervös greift, Johanna nach der Packung West auf dem Küchentisch, überlegt es sich dann aber wieder anders, steht auf und läuft ziellos in der Küche auf und ab.

 

Vielleicht sollte sie es lassen.

Andererseits, es war vielleicht Schicksal das sie seine Nummer gefunden hatte.

 

Ob er noch immer in dem kleinen Haus an der Querstraße wohnt?

Vielleicht sollte ich einfach einmal daran vorbeifahren, nachsehen ob ich ihn sehe?

 

Schnell verwirft sie diese Idee aber wieder und kocht sich stattdessen einen Kaffee.

 

Ob er in zwischen verheiratet ist?

 

Sie stellte sich Jochen mit einer anderen Frau vor, wie sie sonntags zusammen auf dem Balkon im ersten Stock saßen und sich gemeinsam die Geschichten der Woche erzählten.

Eine unsagbare Wut erfasste auf einmal von Johanna besitz, die gleich darauf wieder in bedauern umschlug.

 

Ja er hat sicher geheiratet und inzwischen bereits Kinder, da war sie sich sicher.

Er hatte immer Kinder gewollt, am besten zwei, einen Jungen und ein Mädchen.

 

In Gedanken blieb sie am Küchenfenster stehen und blickte hinaus.

Regen lief an der Außenseite des Fensters herunter, passend zu ihrer Stimmung.

 

Mit einem tiefen Seufzer ging sie zu Ihrem gewohnten Platz am Küchentisch zurück.

 

Ob er auch gelegentlich an mich denkt?

 

Die Küchenuhr tickte leise vor sich hin.

 

Johanna blickte wieder auf den Zettel, ein Post-It, klein, gelb mit einem Klebebereich auf der Rückseite. Jochen Stern stand dort, sie hatte seine Nummer aus dem Telefonbuch herausgesucht, nachdem sie vor zwei Wochen im Stadtanzeiger zufällig auf eine Anzeige gestoßen war.

 

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Sie musst gleich an Jochen denken, auch wenn sie nicht sicher war ob er J. Stern war.

Keine 5 min. später hatte sie die Nummer aus dem Telefonbuch gesucht und sich fest vorgenommen ihn einmal anzurufen, man könnte sich ja mal auf einen Kaffee treffen, der alten Zeiten willen.

 

J. Stern. Johanna seufzte, erneut griff sie nach der Schachtel mit den Zigaretten und dieses Mal nahm sie sogar eine heraus.

 

Genüsslich sog sie den ersten Zug ein und versuchte sich auszumahlen wie alles hätte werden können. Versuchte sich vorzustellen das sie ihn damals nicht verlassen hätte und wer weis vielleicht hätten sie ja auch geheiratet.

 

Sie machte die Zigarette aus, griff nach dem Telefonhörer und tippte fast andächtig seine Nummer ein. Sie musste es einfach wissen.

 

Freizeichen.

Sie legt wieder auf.

 

Sei nicht dumm! Was willst du denn sagen? Hallo Jochen, hier ist Johanna, ich dachte ich melde mich mal?

 

Sie steht auf und gießt sich etwas Kaffee in einen Becher.

 

Jochen trank seinen immer mit viel Milch und Zucker.

 

Sie stellte die Tasse auf den Tisch und setzte sich wieder.

 

Vielleicht sollte ich es verschieben. Ihn morgen anrufen wenn es draußen schöner ist.

 

Sie nahm den Post-It-Zettel und klebte ihn an seinen Platz am Telefon zurück.

 

Morgen rufe ich ihn an ganz bestimmt.

 

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